Stellungnahmen
zu zwei Artikeln in der Basler Zeitung:
"Die stimmlosen Rentner" (21.9.2005)
"Mit unsichereren Händen am Steuer" (20.8.2005)
"Die stimmlosen Rentner"
Leserbrief an die BaZ vom 21. 9. 2005:
Im Jahr 1995 unterschlug ein Heimleiter sechzehn Stimmzettel von Heimbewohnern und missbrauchte sie zu seinen Gunsten. Obwohl man annehmen darf, dass es sich um einen isolierten Fall handelte, empfiehlt der Polizeidirektor, Heimbewohnern, die aus der Sicht der Heimleiter nicht mehr zur Stimmabgabe fähig sind, das Stimmaterial vorzuenthalten.
Wir halten dieses Vorgehen für unzulässig und unterstützen mit Entschiedenheit Professor Rhinows Auffassung, dass es nicht Sache der Altersheime sei, zu entscheiden, wer sein Stimm- und Wahlrecht ausüben darf.
Seniorenverband Nordwestschweiz
Kurt Engelbrecht, Vize-Präsident
"Mit unsichereren Händen am Steuer"
Leserbrief an die BaZ vom 22. 8. 2005:
Das Bild zeigt einen älteren Mann, der mit Mühe in ein Auto steigt, und in der Bildlegende heisst es "gefährlich". Die Botschaft lautet: Alte - gefährliche Automobilisten!
Als Aufhänger der Geschichte präsentiert man uns drei ältere Fahrer - zwei Männer, eine Frau - welche Unfälle verursacht haben. Die Frau war allerdings betrunken und verlor deshalb die Herrschaft über ihr Fahrzeug - eine altersbedingte Unfallursache ist das sicher nicht.
Aus den zitierten Beispielen schöpft der Autor des Beitrages sodann die wenig originelle Erkenntnis, dass nicht nur junge, sondern auch alte Fahrer Unfälle verursachen können, und in der Folge lesen wir, wie dieser Gefahr zu begegnen sei. Im Zentrum steht die Prüfung der Fahrtüchtigkeit ab 70 Jahren durch den Hausarzt. Der Autor behauptet, diese werde "nach wie vor eher halbherzig" durchgeführt. Woher weiss er das?
Er übernimmt im weiteren die in keiner Weise belegte Aussage anonymer Verkehrsexperten, "der eine oder andere" Arzt könnte Gefälligkeitsgutachten verfassen und leitet daraus die Forderung ab, die Prüfung müsse "unabhängigen Verkehrsmedizinern" übertragen werden. Der Autor kann es auch nicht unterlassen, auf die materiellen Interessen der Hausärzte anzuspielen - in Basel nennt man das "dräggele". So viel zur Qualität des Artikels.
Die zentrale Frage aber, ob diese ärztliche Prüfung überhaupt etwas nützt,
stellt der Autor nicht. In dem ganzen seitenlangen Artikel bemüht er sich nicht im geringsten um
eine durch Daten gestützte Analyse der Situation, woraus sich Schlussfolgerungen ziehen und
Massnahmen ableiten liessen. Wie viele Fahrer im Rentenalter gibt es, welches sind ihre
Fahrgewohnheiten? Wie oft sind sie auf der Strasse, wie lange, wie weit fahren sie? Wie viele von ihnen
geben das Fahren freiwillig auf, in welchem Alter, aus welcher Veranlassung?
Und schliesslich, wie viele von ihnen verursachen aufgrund altersbedingter geistiger oder
körperlicher Beeinträchtigungen Verkehrsunfälle?
Stattdessen werden Behauptungen, Vermutungen, Hörensagen und haltlose Unterstellungen kolportiert. Von einer Zeitung mit der Bedeutung der BaZ erwarten wir etwas Besseres.
Seniorenverband Nordwestschweiz
Kurt Engelbrecht, Vize-Präsident